Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einfach erklärt
Ohne Fachchinesisch: Was Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet, woran du echte erkennst und wo ihre Grenzen liegen.
„Ende-zu-Ende-verschlüsselt" steht heute auf fast jeder Messenger-Verpackung. Die meisten Leute nicken das ab, ohne zu wissen, was es bedeutet, und übersehen dabei den einen Unterschied, auf den es ankommt. Also der Reihe nach, ohne Fachchinesisch.
Drei Arten, eine Nachricht zu schützen
Gar nicht. Die Nachricht reist im Klartext. Jeder Zwischenknoten kann mitlesen. Klingt absurd, war aber jahrzehntelang bei E-Mail und SMS der Normalfall.
Transportverschlüsselung. Die Nachricht ist auf dem Weg zum Server verschlüsselt, wird dort aber entschlüsselt, gespeichert und für die Weiterleitung neu verschlüsselt. Der Anbieter kann also alles lesen. Das ist der Fall bei vielen Chat-Diensten, auch bei einigen, die mit „verschlüsselt" werben.
Ende-zu-Ende. Die Nachricht wird auf deinem Gerät verschlüsselt und erst auf dem Gerät des Empfängers wieder entschlüsselt. Der Server dazwischen sieht nur Buchstabensalat und kann ihn nicht auflösen, weil er den Schlüssel nicht hat. Das ist der Unterschied.
Der entscheidende Satz
Bei echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung liegt der Schlüssel nur bei dir und deinem Gegenüber. Nicht beim Anbieter, auch nicht „sicher verwahrt" oder „nur für Notfälle". Sondern gar nicht. Wenn ein Anbieter dir dein Passwort zurücksetzen und danach deine alten Nachrichten zeigen kann, dann hatte er den Schlüssel, und dann war es keine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Wie das technisch funktioniert
Vereinfacht gesagt hat jeder Teilnehmer ein Schlüsselpaar: einen öffentlichen Schlüssel, den er verteilen darf, und einen privaten, den er nie herausgibt. Wer dir schreiben will, verschlüsselt mit deinem öffentlichen Schlüssel. Aufmachen kann es nur dein privater. Das ist wie ein Briefkasten: Einwerfen kann jeder, herausholen nur du.
PriChat nutzt dafür dasselbe Verfahren wie Signal:
- X3DH stellt beim ersten Kontakt einen gemeinsamen Geheimschlüssel her, ohne dass ihr gleichzeitig online sein müsst.
- Double Ratchet wechselt danach für praktisch jede Nachricht den Schlüssel. Selbst wenn jemand einen einzelnen Schlüssel erbeutet, kann er weder ältere noch spätere Nachrichten entschlüsseln. Das nennt sich Forward Secrecy.
Was Verschlüsselung nicht kann
Hier wird oft zu viel versprochen, deshalb ganz klar:
- Sie schützt nicht davor, dass jemand deinem Gegenüber über die Schulter schaut. Der Empfänger sieht den Klartext, immer.
- Sie schützt nicht die Metadaten, also wer wann mit wem. Dafür braucht es zusätzliche Maßnahmen (bei uns: versiegelte Absender und pseudonyme Gruppen).
- Sie schützt nicht vor einem kompromittierten Gerät. Wer deinen Bildschirm liest, braucht keinen Schlüssel.
- Sie schützt nicht vor Scannen vor dem Verschlüsseln. Genau das ist der Grund, warum Client-Side-Scanning so gefährlich ist.
Frag dich: Kann der Anbieter meine alten Nachrichten wiederherstellen, wenn ich mein Passwort vergesse? Lautet die Antwort ja, hat er einen Schlüssel. Bei PriChat lautet sie nein, deshalb gibt es bei uns die Wiederherstellungsphrase.