Passkeys: Anmelden ohne Passwort, verständlich erklärt
Ein Passkey ist kein Passwort ohne Buchstaben, sondern ein Schlüsselpaar. Was das heißt, warum Phishing daran scheitert und wo der Haken liegt.
Du kennst das Ritual: Passwort ausdenken, Passwort vergessen, Passwort zurücksetzen. Passkeys sollen damit Schluss machen. Der Begriff klingt nach Marketing, dahinter steckt aber solide Kryptografie, und die lässt sich in ein paar Minuten verstehen.
Was ein Passkey eigentlich ist
Ein Passwort ist ein gemeinsames Geheimnis. Du kennst es, der Dienst kennt es. Genau das ist das Problem: Etwas, das zwei Parteien kennen, kann an zwei Stellen verloren gehen. Ein Passkey funktioniert anders. Beim Einrichten erzeugt dein Gerät ein Schlüsselpaar. Das BSI beschreibt es so: Dein Gerät „hinterlegt einen sogenannten geheimen Schlüssel im internen Speicher", und gleichzeitig „wird ein passender öffentlicher Schlüssel erstellt, der bei Ihrem Onlinedienst gespeichert wird".
Diese beiden Schlüssel gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe. Mit dem privaten Schlüssel kann man unterschreiben, mit dem öffentlichen kann man diese Unterschrift nur prüfen. Beim Anmelden schickt der Dienst eine Zufallsaufgabe, dein Gerät unterschreibt sie, der Dienst prüft die Unterschrift gegen den öffentlichen Schlüssel. Fertig.
Der entscheidende Punkt: Der private Schlüssel verlässt dein Gerät nie. Die Spezifikation des W3C sagt das ausdrücklich, der private Schlüssel sei „expected to never be exposed to any other party, not even to the owner of the authenticator". Du entsperrst ihn nur, per Fingerabdruck, Gesicht oder Geräte-PIN.
Warum Phishing daran scheitert
Das ist der eigentliche Gewinn, und er wird oft unter „bequemer" verbucht, was ihn unterverkauft. Ein Passkey ist fest an die Adresse des Dienstes gebunden, für den er erstellt wurde. Im Fachjargon heißt der Dienst Relying Party. Der Schlüssel „can only be accessed by origins belonging to that Relying Party", schreibt das W3C, und diese Bindung wird „jointly by conforming User Agents and authenticators" durchgesetzt. Also von Browser und Gerät gemeinsam, nicht von deiner Aufmerksamkeit.
Übersetzt: Landest du auf einer täuschend echten Fälschung, passiert schlicht nichts. Dein Browser findet für diese Adresse keinen passenden Schlüssel. Es gibt nichts einzutippen, nichts zu verraten, nichts weiterzuleiten. Das BSI formuliert es so: Selbst wenn du auf eine Phishing-Mail hereinfällst und dich auf einer gefälschten Seite einloggen willst, „wird der geheime Schlüssel niemals preisgegeben".
Der Haken: synchronisiert oder gerätegebunden
Hier wird es interessant, und hier schweigen die meisten Erklärtexte. Passkeys gibt es in zwei Geschmacksrichtungen. Die FIDO Alliance unterscheidet sie so: Passkeys, die über einen Cloud-Dienst zwischen deinen Geräten abgeglichen werden, heißen „synced passkeys", und solche, die „never leave a single device", heißen „device-bound passkeys".
Fast alles, was du im Alltag benutzt, ist die erste Sorte: iCloud-Schlüsselbund, Google Passwortmanager, dein Passwortmanager. Das ist bequem, neues Handy und alles ist da. Nur verschiebt es das Vertrauen. Andre Büttner und Nils Gruschka von der Universität Oslo haben das 2025 sauber aufgeschrieben: Synchronisierte Passkeys könnten den vollen Schutz nicht bieten, „since the key must be accessible to passkey provider software to be shared between devices". Und weiter: „The security of synced passkeys is mainly concentrated in the passkey providers as a trusted third-party service." Ist der Anbieter angreifbar oder handelt er bösartig, seien die Zugangsdaten des Nutzers unter Umständen völlig ungeschützt. Als Beleg, dass das keine Theorie ist, nennen sie den schweren Einbruch bei LastPass 2022.
| Merkmal | Passwort | Passkey |
|---|---|---|
| Kennt der Dienst dein Geheimnis? | Ja, als Hash | Nein, nur den öffentlichen Schlüssel |
| Phishing möglich? | Ja | Nein, an die Adresse gebunden |
| Bei Datenleck beim Dienst | Angreifbar | Öffentlicher Schlüssel ist wertlos |
| Bei Geräteverlust | Passwort bleibt im Kopf | Backup oder Cloud-Abgleich nötig |
| Vertrauen in Dritte | Passwortmanager, wenn genutzt | Bei synchronisierten Passkeys: der Anbieter |
Der zweite Haken ist der Geräteverlust. Beim Passwort hast du im Zweifel noch den Kopf. Beim Passkey brauchst du einen Plan. Das BSI sagt es nüchtern: Nach Verlust oder Diebstahl kommst du an deine Zugänge, „wenn Sie entweder lokale Backups angelegt haben oder wenn Ihre Passkeys in einer Cloud synchronisiert werden". Und ohne Sicherheitskopien könne es „in seltenen Fällen" passieren, dass du dich nicht mehr einloggen kannst.
Wie PriChat Passkeys benutzt, und warum anders
Bei uns macht der Passkey mehr als anmelden, und das hat einen Grund. Deine Daten sind mit einem Schlüssel verschlüsselt, der aus deinem Passwort abgeleitet wird und nur im Arbeitsspeicher liegt. Ein reiner Login-Passkey würde daran vorbeigehen: Wir könnten dich einlassen, aber deine Nachrichten blieben verschlüsselt liegen.
Deshalb nutzen wir eine Erweiterung des Standards namens PRF. Sie liefert für dieselbe Eingabe immer denselben Zufallswert, aber nur, wenn der echte Passkey vorliegt und du dich per Biometrie oder PIN verifiziert hast. MDN beschreibt genau diesen Einsatzzweck: Damit lasse sich ein symmetrischer Schlüssel erzeugen, der nur von jemandem entschlüsselt werden kann, der „the seed and the associated authenticator" hat. Aus diesem Wert leiten wir einen Schlüssel ab und verpacken deinen eigentlichen Datenschlüssel damit. Auf unserem Server liegt nur das verpackte Paket, ein Chiffretext ohne Bedeutung. Den PRF-Wert und den daraus abgeleiteten Schlüssel bekommt der Server nie zu sehen; die entsprechenden Felder werden abgeschnitten, bevor irgendetwas zu uns geht. Das ist bewusst kein Schlüsseltresor bei uns: Ohne dein Gerät und deine Verifikation ist das Paket wertlos, auch für uns.
Was ehrlich dazugehört. Erstens: Das Passwort verschwindet bei uns nicht. Es bleibt der Anker, aus dem der Datenschlüssel entsteht, und beim Einrichten des Passkeys musst du es einmal eingeben. Unser Passkey ist Bequemlichkeit plus Hardware-Bindung, keine vollständige Abschaffung des Passworts. Zweitens: Nicht jeder Authenticator kann PRF. Kann deiner es nicht, bleibt es bei dir beim Passwort, und wir tun nicht so, als wäre das anders. Drittens, der Satz, den wir in jedem dieser Artikel schreiben: Unsere App ist nicht quelloffen und nicht extern auditiert. Du kannst nachlesen, dass der Standard das hergibt, was hier steht. Dass wir uns daran halten, musst du uns glauben. Bei Signal könntest du in den Quellcode schauen. Das ist ein echter Vorteil, und wir reden ihn nicht klein.
Ein Passwort ist ein Geheimnis, das du weitergeben kannst, also kann man es dir abschwatzen. Ein Passkey ist ein Geheimnis, das dein Gerät nicht herausgibt, also gibt es nichts abzuschwatzen.
Was das für dich heißt
Passkeys sind besser als Passwörter, und zwar nicht knapp. Das BSI empfiehlt sie seit Oktober 2024 ausdrücklich, auch wenn sie damals erst 18 Prozent der Befragten selbst nutzten und nur 38 Prozent den Begriff überhaupt kannten. Fang bei den Konten an, die wehtun, wenn sie weg sind: E-Mail zuerst, dann alles, was am E-Mail-Konto hängt. Überleg dir vorher, wo deine Passkeys liegen und was passiert, wenn dieses Gerät oder dieses Konto weg ist. Und behalte im Hinterkopf, wem du damit vertraust: Bei synchronisierten Passkeys ist das nicht nur der Dienst, bei dem du dich anmeldest, sondern auch der, der sie für dich aufbewahrt.