Verschlüsseltes Backup: warum es die Verschlüsselung aushebeln kann
Ein Backup ist eine Kopie deiner Nachrichten außerhalb der Verschlüsselung. Wer den Schlüssel dazu hält, entscheidet alles, und manchmal ist es nicht mal deine Entscheidung.
Die gute Nachricht zuerst: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirkt. Was du bei WhatsApp, Signal oder iMessage schreibst, kann der Anbieter im Normalfall nicht mitlesen. Die schlechte Nachricht steht ein Menü weiter, bei den Backups. Ein Backup kann die ganze Verschlüsselung mit einem Häkchen aushebeln, und manchmal reicht dafür sogar das Häkchen von jemand anderem.
Warum ein Backup die Verschlüsselung umgeht
Verschlüsselung schützt den Weg. Ein Backup ist etwas anderes: eine Kopie deiner Nachrichten, die außerhalb dieses Weges liegt, damit du sie nach einem Geräteverlust wiederbekommst. Diese Kopie hat nicht automatisch denselben Schutz wie das Gespräch selbst. Die Bürgerrechtsorganisation EFF bringt es auf den Punkt: Solche Backups hätten nicht zwingend denselben Schutz wie die Chats, und sie könnten Gespräche, „which were sent with strong, privacy-protecting end-to-end encryption", für den lesbar machen, der die Cloud betreibt.
Der Standardfall ist das Problem
Das Tückische ist nicht die Ausnahme, sondern die Voreinstellung. Bei WhatsApp landet das Backup normalerweise in Google Drive oder iCloud, ohne die zusätzliche Verschlüsselung. Es gibt zwar ein Ende-zu-Ende-verschlüsseltes Backup, WhatsApp nennt es aber ausdrücklich „an extra, optional layer of security". Optional heißt: aus, bis du es einschaltest. Tust du es, sicherst du das Backup mit einem Passwort oder einem 64-stelligen Schlüssel, und danach kann laut WhatsApp „neither WhatsApp nor your backup service provider" es noch lesen. Nur muss man das eben wissen und tun.
Bei Apple ist es ähnlich. Mit dem Standardschutz liegen die Schlüssel für dein iCloud-Backup bei Apple. Erst der „erweiterte Datenschutz" verschlüsselt das Backup Ende zu Ende, und Apple selbst zeigt, wie viel dieses Extra ausmacht: Die Zahl der Ende-zu-Ende-geschützten Datenkategorien steigt damit „from 14 to 23", und erst unter diesen zusätzlichen neun steht das iCloud-Backup. iMessage ist für sich genommen verschlüsselt, aber sobald das iCloud-Backup an ist, wandert eine Kopie des Nachrichtenschlüssels mit ins Backup. Genau das macht die Nachrichten wieder lesbar.
Und dann ist da noch das Backup der anderen
Hier kommt der Teil, den fast niemand bedenkt. Du kannst alles richtig machen, dein Backup abschalten oder Ende zu Ende verschlüsseln, und trotzdem liegen deine Nachrichten in der Cloud. Denn dein Gesprächspartner hat dieselbe Unterhaltung, und wenn er ein Backup ohne diese Verschlüsselung macht, sichert er auch deine Hälfte mit. Die EFF schreibt es unmissverständlich: „…even if you take the extra step to turn on end-to-end encryption, everyone else you converse with would have to do the same to protect their own backups." Ein Chat gehört immer zwei Leuten. Über die Sicherung des anderen hast du keine Kontrolle.
Was Behörden daraus machen
Dass das kein theoretisches Risiko ist, zeigt ein internes FBI-Dokument. Es ist auf den 7. Januar 2021 datiert, gibt den Stand von November 2020 wieder und wurde von der Organisation Property of the People über ein Auskunftsgesetz öffentlich gemacht. Zu iMessage steht darin: Hat ein Nutzer iCloud-Backups aktiviert, werde „a copy of the encryption key ... backed up along with the messages" und im Rahmen einer Anordnung an Apple herausgegeben, „enabling the messages to be read". Für WhatsApp galt damals dasselbe über den Umweg Cloud: Ein Durchsuchungsbeschluss an iCloud oder Google Drive könne „WhatsApp data including message content" liefern, während der Beschluss an WhatsApp selbst keine Inhalte zutage fördere.
Ehrlich dazugesagt, weil es die Lage verändert: Dieser Stand ist von 2020, vor WhatsApps optionalem verschlüsseltem Backup von Ende 2021. Wer es einschaltet, schließt dieses eine Loch. Das Grundmuster bleibt trotzdem: Nicht die Verschlüsselung wird gebrochen, sondern das Backup daneben geöffnet.
Wie die Messenger es heute lösen
| Stand Juli 2026 | Cloud-Backup der Chats | Wer hält den Schlüssel |
|---|---|---|
| ja, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung optional | der Anbieter, außer du setzt Passwort oder 64-stelligen Schlüssel | |
| Apple iMessage | über iCloud-Backup | Apple, außer mit „erweitertem Datenschutz" |
| Signal | Secure Backups, opt-in | 64-Zeichen-Schlüssel, „never shared with Signal's servers" |
| Threema | Threema Safe sichert ID und Kontakte, ausdrücklich nicht die Chats | Passwort |
| PriChat | kein automatisches Cloud-Backup | du selbst, lokal |
Was bei PriChat passiert
Bei uns gibt es diese Falle nicht, weil es das bequeme Cloud-Backup gar nicht gibt. Deine Nachrichten liegen ausschließlich verschlüsselt in deinem Browser, der Schlüssel entsteht beim Anmelden aus deinem Passwort und lebt nur im Arbeitsspeicher; mit Passkey-Login entsperrt ihn stattdessen dein Passkey. Auf dem Server liegt keine für uns lesbare Historie, nur ein Postfach für noch nicht zugestellte Nachrichten, unlesbar verschlüsselt, nach Zustellung gelöscht und nach 14 Tagen ohnehin.
Willst du deinen Verlauf auf ein neues Gerät mitnehmen, ist das bei uns eine bewusste Handlung, kein Automatismus. Du erzeugst eine Übertragungsdatei, verschlüsselt mit sechs zufälligen Wörtern, die nirgends in der Datei stehen. Deine Kontakte sind dabei, der Nachrichtenverlauf nur, wenn du das Häkchen ausdrücklich setzt.
Kein Cloud-Backup heißt auch: kein Netz, das dich auffängt. Verlierst du dein einziges Gerät, ohne vorher eine Übertragungsdatei angelegt zu haben, ist der Verlauf weg, und auch wir können ihn nicht zurückholen. Das ist der Preis dafür, dass niemand sonst ihn zurückholen kann.
Was das für dich heißt
- Prüfe bei jedem Messenger, wer den Schlüssel deines Backups hält. Liegt er beim Anbieter oder in der Cloud, ist es kein Ende-zu-Ende-Backup.
- Schalte das verschlüsselte Backup aktiv ein, wo es das gibt, und notiere Passwort oder Schlüssel dort, wo deine Ausweise liegen. Ersetzen kann sie dir niemand.
- Denk daran, dass die andere Seite mitsichert. Für wirklich Vertrauliches hilft nur ein Messenger, bei dem gar kein lesbares Backup entsteht, auf keiner der beiden Seiten.
- Und entscheide bewusst, ob du eine dauerhafte Kopie deiner Chats überhaupt willst. Was nirgends gesichert liegt, kann auch nirgends auftauchen.